Gesetze erklärt
Die 4 Gesetze für KI im Unternehmen verständlich erklärt — mit Fristen, Pflichten, Bußgeldern und Links zu den Originaltexten.

DSGVO, AI Act, NIS-2, BetrVG: Was jedes Gesetz für deine KI-Nutzung bedeutet
Vier Abkürzungen bestimmen 2026, wie dein Unternehmen KI einsetzen darf. Das Problem: Die meisten Entscheider kennen die DSGVO — aber die drei anderen Gesetze? Fehlanzeige.
Dieser Artikel ist dein Nachschlagewerk. Für jedes der vier Gesetze erkläre ich: Was steckt dahinter, seit wann gilt es, welche Pflichten hast du, was droht bei Verstoß — und wo findest du den Originaltext.
1. DSGVO — Datenschutz-Grundverordnung
Voller Name: Verordnung[7] (EU) 2016/679 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten
Seit wann: 25. Mai 2018
Was es regelt: Die DSGVO ist die Grundlage für jeden Umgang mit personenbezogenen Daten in der EU.
Warum es für KI relevant ist: Sobald ein KI-System personenbezogene Daten verarbeitet, greift die DSGVO. Ein Mitarbeiter gibt einen Kundennamen in ChatGPT ein? DSGVO.
Die wichtigsten Artikel für KI:
Art. 5 — Grundsätze: Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datenminimierung
Art. 6 — Rechtsgrundlagen für jede Verarbeitung
Art. 13/14 — Informationspflichten
Art. 22 — Automatisierte Einzelentscheidungen
Art. 25 — Privacy by Design
Art. 35 — Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA)
Was droht: Bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des Jahresumsatzes.
Originaltext: DSGVO auf EUR-Lex | dsgvo-gesetz.de
2. EU AI Act — Europäische KI-Verordnung
Voller Name: Verordnung (EU) 2024/1689 über harmonisierte Vorschriften für Künstliche Intelligenz
Seit wann: In Kraft seit 1. August 2024. Pflichten greifen stufenweise.
Was es regelt: Das weltweit erste Gesetz speziell für KI. Risikobasierter Ansatz: Je höher das Risiko, desto strenger die Anforderungen.
Die wichtigsten Artikel:
Art. 4 — KI-Kompetenzpflicht seit Feb. 2025
Art. 6 — Klassifizierung als Hochrisiko[6]-KI
Art. 9 — Risikomanagement
Art. 50 — Transparenzpflichten
Was droht: Bis zu 35 Millionen Euro oder 7 % des Jahresumsatzes.
Originaltext: AI Act auf EUR-Lex | ai-act-law.eu
3. NIS-2 — Netz- und Informationssicherheitsrichtlinie
Voller Name: Gesetz zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie (NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz)
Warum die 2: NIS-1 galt nur für kritische Infrastruktur. NIS-2 ist die verschärfte Version: mehr Sektoren, niedrigere Schwellen, härtere Strafen.
Seit wann: Im deutschen Recht seit 6. Dezember 2025.
Wer ist betroffen: Ab 50 Mitarbeitern ODER 10 Mio. EUR Umsatz. Über 30.000 Unternehmen in Deutschland.
Die wichtigsten Pflichten:
Risikomanagement für die gesamte IT inkl. KI
Meldepflicht innerhalb von 24 Stunden
Geschäftsführer haftet persönlich
BSI[3]-Registrierung seit März 2026 Pflicht
Was droht: Bis zu 10 Millionen Euro oder 2 % des Jahresumsatzes.
Originaltext: NIS-2-Umsetzungsgesetz | OpenKRITIS | BSI
4. BetrVG — Betriebsverfassungsgesetz
Seit wann: Ursprünglich 1952, grundlegend überarbeitet 1972, zuletzt 2024.
Was es regelt: Mitbestimmung der Arbeitnehmer. Wenn KI Mitarbeiter überwacht oder Leistung bewertet, muss der Betriebsrat einbezogen werden.
Die wichtigsten Paragraphen:
§ 87 Abs. 1 Nr. 6 — Mitbestimmung bei technischer Überwachung
§ 90 — Unterrichtung vor Einführung neuer Technik
§ 95 — Auswahlrichtlinien bei KI-Personalauswahl
§ 80 Abs. 3 — Externer Sachverständiger auf Kosten des AG
Was droht: Keine Bußgelder, aber Unterlassungsanspruch: KI-Einführung kann gestoppt werden.
Originaltext: BetrVG auf gesetze-im-internet.de | BMAS
Fazit: Vier Gesetze, ein Ziel
Die drei wichtigsten Sofortmaßnahmen:
Wissen, was läuft: KI-Inventar erstellen
Regeln aufstellen: KI-Richtlinie verabschieden
Menschen befähigen: Mitarbeiter schulen
Im nächsten Artikel zeige ich die 5 konkreten Schritte, um KI DSGVO-konform einzusetzen.
Quellen & Referenzen (8)
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Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen DSGVO und AI Act?
Die DSGVO regelt den Schutz personenbezogener Daten — egal ob mit oder ohne KI. Der AI Act reguliert KI-Systeme als Technologie — egal ob mit oder ohne personenbezogene Daten. Sobald ein KI-System personenbezogene Daten verarbeitet, gelten beide gleichzeitig.
Gilt NIS-2 auch für kleine Unternehmen?
Grundsätzlich nein. NIS-2 betrifft Unternehmen ab 50 Mitarbeitern oder 10 Millionen Euro Jahresumsatz in bestimmten Sektoren. Aber: Wenn du als Zulieferer für ein betroffenes Unternehmen arbeitest, können dessen Sicherheitsanforderungen auf dich durchschlagen.
Muss der Betriebsrat bei jeder KI-Nutzung zustimmen?
Nicht bei jeder. Das BetrVG greift vor allem dann, wenn KI das Verhalten oder die Leistung von Mitarbeitern überwachen kann (§ 87 Abs. 1 Nr. 6). Ein Mitarbeiter der ChatGPT für E-Mails nutzt, ist kein Mitbestimmungsfall. Ein KI-System das Arbeitszeiten analysiert, schon.
Können die Bußgelder aus verschiedenen Gesetzen kumulieren?
Ja. Ein einziger Vorfall kann mehrere Gesetze gleichzeitig verletzen. Beispiel: Kundendaten in einem nicht genehmigten KI-Tool = DSGVO-Verstoß + AI Act (fehlende Schulung) + NIS-2 (mangelhaftes Risikomanagement). Theoretisch kumuliert das auf bis zu 65 Millionen Euro.
Wo finde ich Hilfe bei der Umsetzung?
Die IHKs bieten kostenlose Erstberatung. Die DSK-Orientierungshilfe KI ist ein praxisnaher Leitfaden. Für NIS-2 gibt es die BSI-Plattform mit Selbstcheck-Tools. Und der Bitkom-Praxisleitfaden „KI & Datenschutz" ist kostenlos als PDF verfügbar.
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